Wiedersehen mit New Delhi

Die Nacht war kurz gewesen, der Flieger kam – wie die meisten internationalen Flüge – mitten in der Nacht an. Es lag nur eine leichte Nebeldecke über Delhi, die glücklicherweise nicht so dicht war, dass eine Landung unmöglich gewesen wäre. Dies stand früher immer zu befürchten, wenn wir aus den Weihnachtsferien in D. zurück kamen. Einmal hatten wir einen Nebel erlebt, der wie Eischnee war, und wir vor dem Auto herlaufen mussten, um dem Fahrer per Handzeichen anzuzeigen, wo die Fahrbahn verlief und wo sie aufhörte.
Aber es war ja bereits Mitte Februar und somit die Voraussetzungen für die gefürchtete Inversions-Wetterlage mit der kalten Luft aus dem Himalaya, die sich über die Luftverschmutzung legt, nicht mehr unbedingt gegeben. Und zum anderen bietet der neue Flughafen inzwischen vielleicht auch andere Navigationsmöglichkeiten.

Wir waren also spät ins Bett gekommen und wurden „mitten in der Nacht“ vom Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen, 4,5 Std. Zeitverschiebung.

Dafür aber werden wir mit einem indischen Frühstück und einer lauen Sonnenluft mehr als entschädigt.

Das moderne Delhi ist für uns ungewohnt: die Metro ist noch jung und wirkt sehr effizient. Die Züge fahren im Minutentakt und entleeren den Bahnsteig fortlaufend. Keine lange Wartezeiten, die Tickets günstig, die Navigation leicht gemacht, das Netz wird immer weiter ausgebaut. Aber es ist Sonntag und wie es hier am Montag aussehen wird, werden wir erst noch sehen. An den unumgänglichen, strengen Sicherheitskontrollen am Eingang merkt man dann doch, dass man in einer indischen Großstadt ist: sie sind für Männer und Frauen getrennt, wobei es im Frauenbereich kaum Wartezeiten gibt, während es bei den Männern zu Warteschlangen kommen kann. Auch hat jeder Zug extra-Frauenplätze, auf deren Reserviertheit immer wieder hingewiesen wird. Der Bereich hinter dem Zug-Cockpit ist sogar komplett den Frauen vorbehalten und wird von einer military person bewacht. Mehr geht nicht.

Das moderne Delhi lassen wir bald hinter uns, tauchen ein in das traditionelle, so wie wir es kennen.
Bei unserem Schalhändler ist alles beim alten, die vertrauten Gesichter, der leckere Masalla-Tee, … aber doch nicht ganz. Die Geschäfte gehen gut, sagt Vikas, und so wird stetig erweitert, das Sortiment, die Räumlichkeiten, das Personal. Doch auch die „traditionelle“ Abteilung prosperiert, die alten Motive und Techniken sind nach wie vor beliebt.

Es ist Messezeit und entsprechend international die Einkäufer.

Tag 2.

Wir haben bei Vodafone eine prepaid Sim-Karte beantragt, die nach 24 Stunden freigeschaltet wird. Kostenpunkt ca. 250 INR (= 3,10E) (für 28 Tage).

Hintergrund dafür ist, dass wir mobiles WIFI benötigen, denn für weitere Strecken möchten wir uns gerne der UBER-App bedienen.
Und dies haben wir heute auch getan: die 43km bis zum Messegelände in Noida haben wir in einem Uber zurückgelegt. Dies hat mehrere Vorteile: es ist kostengünstig, es ist effizient und vor allem ist der Preis nicht verhandelbar. Alles hat einwandfrei geklappt.

Die „handicrafts & gifts“- Messe ist sehr angenehm: Durchlass der Taxen bis zum Eingang, kostenloser Eintritt, freundliche Registrierung, keine Warteschlangen, weitläufiges, aber übersichtliches Gelände und viele gefällige Auslagen. Trotzdem ist die Messe nicht der richtige Tummelplatz für uns. Sie kann lediglich der Inspiration und der Kontaktaufnahme dienen, denn die Mindestabnahmezahlen pro Muster liegen meist im dreistelligen Bereich.

Den Tag wollten wir in einem Roof-Top-Restaurant in „Hauz Khas Village“ beschließen. Hauz Khas Village ist bekannt für seine idyllische Lage und die vielen kleinen Boutiquen und Restaurants am Rande einer historischen Anlage aus dem 13. Jhd. Doch dieses Mal war es irgendwie anders. Vielleicht lag es daran, dass Montag war, an dem Geschäfte und Restaurants oft geschlossen haben, oder weil es abends war und leicht verregnet. Auf jeden Fall eher enttäuschend.

Nachtrag: In Lajpat-Nagar, wo wir für die Sim-Karte unterwegs sind, haben wir ein überraschendes Erlebnis: wir winken eine leere Rikscha heran, um zur U-Bahn-Station zurück zu fahren. Wir wollen den Preis verhandeln, ohne Erfolg, der Fahrer zeigt nur auf ein Schild über ihm und sagt „It’s for free“. Etwas verunsichert und ungläubig steigen wir ein. Auf der Fahrt gibt es noch weitere Hop-ons Hop-offs von anderen Personen. Wir bedanken uns und wollen einen Obolus geben. Doch der Fahrer winkt ab und zieht weiter seine Kreise. (Auch haben wir unterwegs kostenlose Trinkwasser-Stationen gesehen!). Es tut sich was.

Tag 3.

Heute steht ein „Ausflug“ nach Old Delhi an.
Musste dies früher gut geplant werden, wollte man nicht den größten Teil der Exkursion im Auto zubringen, wird man heutzutage nach 40/50 Min. Fahrtzeit im Erdreich von hier auf jetzt in eine andere Welt hinein katapultiert. Und steht, oben angelangt, vor einer Wand. Vor einer undurchdringlichen Wand aus Fahrzeugen. Dumm nur, wenn man auf der falschen Seite gelandet ist. Aber zum Glück ist da ja jetzt die Metro. Hinzu kommt ein Höllenlärm aus Gehupe und (Zweitakter-)Geknatter. Und – wie heute – eine eh schon „ungesunde“ Luft. Eine echte Herausforderung. Nur gut, dass wir noch im Februar sind.

Wir wollen ins Red Fort, aber nicht, um es zu besichtigen, sondern weil in den alten Gewölben des Basars ein wichtiger Lieferant residiert. Es ist nicht ganz einfach zu ihm zu gelangen. Seine Telefone funktionieren an diesem Tag nicht und er muss uns ja schließlich vor den Toren des Forts abholen und durch sämtliche Ticket- und Sicherheitschecks hindurch schleusen.

Wir verbringen ein paar Stunden dort und sind danach erholungsbedürftig. Zur Belohnung fahren wir 2 Stationen weiter und gönnen uns im legendären Maidens-Hotel ein paar Samosas mit Minzsauce und einen Fresh-Lime-Soda mixed. Das Maidens-Hotel war eines der ersten Hotels in Delhi (1903) und hat nichts von seinem alten, kolonialen Charme verloren.

Tag 4.

Heute absolvieren wir erst einmal klassisches Sightseeing-Programm (zu Fuß): India-Gate, Rajpath, Präsidentenpalast, Janpath (Markt), Imperial Hotel, Connaught-Place, … eben Dinge, die man nicht unbedingt tut, wenn man da lebt.

Dabei hat man die weltweit vielleicht einmalige Gelegenheit, eine ansonsten durchgenormte Fast-Food-Kette einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen: ohne Rindfleisch. Auch gibt es separate Küchen für Veg. und Non-Veg., die streng getrennt sind.

Endziel waren schließlich die Galerien an der Baba Kharak Singh Marg. Dort betreiben die einzelnen indischen Bundesländer sogenannte „Emporien“, Kaufhäuser, in denen die typischen Handwerkskunst-Produkte des jeweiligen Landes angeboten werden. Hier interessierten uns vor allen Dingen die verschiedenen Sarees.

Tag 6.

Wir sind noch einmal zurück nach Old Delhi und haben uns in das Gassengewirr gestürzt: der Chandni Chowk – einst von Shahjehan als Prachtstraße angelegt war er in der Neuzeit ein einziger Fahrzeuge-Moloch – ist momentan „Fußgängerzone“ – denn es wird dort gebaut und man kann unbehelligt in der Fahrbahn-Mitte entlang schlendern. Dafür sind die viel zu hoch motorisierten Motorräder in den engen Gassen eine echte Plage. Man kann kein Auge für die vielen schönen Bänder und Borten, goldenen Litzen, roten Bommel in den Auslagen haben. Richtig anstrengend wird es dann, wenn auch noch die überlasteten Touristen-Rikschas hinzu kommen.

Aufatmen kann man erst wieder in der Weite der Jama-Mashid-Moschee oben auf der Anhöhe. Leider ist es uns nicht vergönnt länger zu verweilen, denn es ist Freitag und das Gebetshaus wird zum Freitagsgebet geschlossen.

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