Ulla K.

“Man liebt es oder man hasst es, dazwischen gibt es nichts.”
Ich zähle mich inzwischen zu der Gruppe von Menschen, die ihre große Liebe in Indien gefunden haben und nicht mehr davon lassen können.
Ohne goße Erwartungen, eher etwas abgeschreckt von den immer sehr üppigen, überladenen Bildern und den überwiegend negativen Nachrichten aus diesem Teil der Erde, sind wir – d.h. meine Familie und ich – mit Sack und Pack nach Neu Delhi gezogen.
Zunächst erschien es auch äußerst schwierig, sich dort zurechtzufinden und heimisch zu werden in einem Umfeld, das in der Tat von Extremen bestimmt ist: einem Klima, das zu den heißesten der Welt zählt und von extrem trocken bis extrem feucht, von ziemlich kalt bis sehr heiß alles durchläuft, einer sehr hohen Bevölkerungsdichte mit überwiegend jungen Menschen, einer übermäßigen Belastung von Luft und Wasser, einer unzureichenden Energieversorgung und natürlich der allgegenwärtigen Armut und ihrem Elend. Hier konnte man nur von den Menschen lernen: klagen und jammern nützt niemandem, man muss sich mit den Verhältnissen arrangieren. Hatte man das einmal begriffen, wurde der Blick frei für die schönen Dinge des Landes.
Und die gibt es in Indien in überreicher Zahl. Die allgemeine Geduld und Geschicklichkeit, mit der Hand zu arbeiten, hat sich in fast allen Teilen in einer langen Tradition bis heute überliefert. Führt man sich zudem vor Augen, dass Indien ein Vielvölkerstaat mit mehreren offiziellen Sprachen und unzähligen Dialekten ist, in dem alle großen und kleinen Religionen vertreten sind, wird einem klar, dass man hier einer wohl einzigartigen Vielfalt gegenübersteht. Selbst nach 5 Jahren Neu Delhi und mehreren Reisen in die verschiedensten Regionen, kann ich ihr Ausmaß immer noch nur erahnen.

Danach sind wir weiter gezogen, weiter gen Osten bis dahin, wo das Chinesische Meer beginnt und sich das große Wasser auftut – nach Shanghai.
Hier waren die Erfahrungen von ganz anderer Art, in einem Punkt aber doch sehr ähnlich: wieder musste man den Blick frei bekommen, um ihn auf die Schönheiten des Landes fokussieren zu können, die sich einem nicht sofort erschließen. Vor allem muss man sich daran gewöhnen, dass es farblich gesehen eine feste Hierarchie gibt: alles konzentriert sich auf die Farbe Rot – und zwar auf “Chinesisch Rot”. Sie ist allgegenwärtig, ist sie doch ein Symbol für Freude, Glück und Wohlstand. Dann folgt “Gelb”, das auf Grund seiner Nähe zur Farbe des Goldes ein Symbol für Wohlstand und Fortschritt ist. So war diese Farbe lange Zeit dem chinesischen Kaiser und seiner Familie vorbehalten. Alles andere kommt eher dezent daher in steingrau, pflanzengrün bis erdigbraun – oder aber leuchtend und brilliant.
 
Es bleibt also weiterhin überaus spannend, Asien und seine spezifischen Ausformungen zu erleben, seine Handwerks-Kunst zu entdecken, die einzelnen Entstehungsgeschichten zu verstehen, neue sinnliche Erfahrungen zu machen.

Gehen Sie mit auf die Reise und lassen Sie sich verführen …

Ihre
Ulla Krogmann