Jenseits von Osten = äußerster Westen

  wo Osten und Westen zusammentreffen: Hawaii  

Shanghai 7:30: auf dem Weg zum Flughafen wird uns plötzlich klar, dass wir in 4 Minuten in Honolulu landen werden, und zwar nicht morgen um die gleiche Zeit, sondern heute (Freitag, den 13.!). Wir fliegen weit nach Osten, zurück über die Datumsgrenze und fangen – nach 18 Stunden Flugzeit – den Tag noch einmal ganz von Vorne an.

Von Hawaii hatte ich nur eine verkürzte Vorstellung: ich wußte, dass es der 50. Bundesstaat der USA ist, hatte den Hollywood-Schinken „Pearl Harbor“ und den „Ritt auf der Bombe“ gesehen, wie auch die alljährlich wiederkehrenden Bilder der „Iron-Men“. Ich war mir der geschichtlichen Bedeutung des Angriffs auf den Hafen bewußt und hatte ansonsten ein bestimmtes Bild vor Augen: das eines fast-food-genährten Amerikaners im bunten Hawaii-Hemd mit Blumengirlanden um den Hals, das ganze unter Palmen. Hinter ihm brandet das Meer und er hält einen eisgekühlten Drink mit Eis-Schirmchen in der Hand – die gängigen Klischees eben.
Hawaii stand also nicht auf der Hitliste meiner persönlichen Reise-Wunsch-Ziele, nicht einmal auf den untersten Rängen.
Aber dann mehrten sich in Shanghai die Berichte, die begeisterten: „Wunderbar, traumhaft!“, „Da müßt ihr unbedingt einmal hin …“ – „Ja, aber Waikiki und der Ballermann!“ – „Könnt ihr links liegen lassen, spielt keine Rolle.“
Und von Shanghai aus sind es nur noch schlappe 6.000 km. Also wenn nicht jetzt, wann dann?

Doch mit einem Entschluss und eventuell einer Buchung des Hin- und Rückfluges ist noch nicht viel gewonnen, steht man noch ganz am Anfang: „eine genaue Zeitplanung empfiehlt sich dringend, denn Reiseleistungen wie innerhawaiianische Flüge, Reservierung der Mietwagen und der Unterkünfte sollten am besten vorab erledigt werden.“ Und dafür muss man sich erst einmal klar werden, was man sehen und erleben möchte. Es gilt also auszuwählen aus den „tausend“ Möglichkeiten …

Tag 1

Morgens – wie gesagt – in Hononlulu gelandet, wollen wir eigentlich nur den Tag überbrücken, bis uns der Inselhopper    nach Big Island bringt, wo unsere eigentliche Reise beginnt (Fähren gibt es so gut wie nicht mehr, weil die Strömung zwischen den Inseln sehr stark ist).
Wir fahren zu Pearl Harbor, ohne große Erwartungen, denn es soll nicht viel zu sehen sein. Das Memorial ist nicht unbedingt gut ausgeschildert, was einigermaßen erstaunt, ist es doch einer der beliebtesten Anlaufpunkte der Insel (Oahu), vor allem für Japaner, die gruppenweise das Visitor Center entern. Überhaupt sind die japanischen Touristen und ihre Schriftzeichen überall präsent und nicht zu übersehen (eine verspätete Landnahme nach 1941?).
Vor dem Eingang extra Parkplätze für „Überlebende“ Survivors (ein Glück, das nicht vielen Marines zuteil wurde: über 2.400 Tote und etwa 1.200 Verwundete), der Eintritt (natürlich) frei, die Sicherheitsvorschriften (seit 2001) verschärft; unser Termin für die Fahrt zum eigentlichen Memorial (einem Bau über der gesunkenen U.S.S. Arizona) ist erst in 3 Stunden. Wir essen einen ersten Hot Dog  , schauen uns eingehend die alten Kriegsgeräte an und verlassen dann die Anlage wieder.
Stattdessen wollen wir zu einem der berühmtesten Strände der Welt: Waikiki Beach. Strände sind in den USA grundsätzlich öffentlich, und so ist es kein Problem, dorthin zu gelangen und sich nach Lust und Laune zu tummeln: es bläst ein starker Wind und dementsprechend ist der Wellengang, der – von den Korallenriffen in der Ferne abgebremst – zu den berühmt/berüchtigten „Monsterwellen“ aufsteigen kann. Das Licht ist gleißend (vor allem für uns, die wir aus dem Winter kommen und zudem völlig übernächtigt sind), die Temperaturen wunderbare 22°-28°C, viel Dynamik am Himmel mit immer wieder dramatischen Wolkenformationen.

Tag 2

Das Haus im Regenwald

Eine Mauer oder einen Gartenzaun braucht es hier nicht, der Urwald ringsum steht undurchdringlich, der Garten wie ein Zimmer mit Oberlicht, eingefaßt von Farnen, wie man sie als Europäer nicht für möglich hält: baumhoch mit Blättern im Gartenschirm-Format  .

Wir waren erst spät in Hilo angekommen, in der Dunkelheit, und hatten nach über 30 Stunden Reisezeit nur noch einen Gedanken: ins Bett.
Das Haus ist schön: auf 1.000 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, im amerikanischen Landhausstil, ganz aus Holz mit Sprossen-Schiebefenstern und einer überdachten Veranda vorne wie auch hinten, auf vier Betonpfosten höher gesetzt und mit Holzsprossen verkleidet, typisches Alu-Walmdach, alles in einem Ton gestrichen. Groß, geräumig, Holzfußboden, offener Wohnbereich und riesiger Kühlschrank (wie sich das gehört), überaus sauber. Im Garten die Jacuzzi-Wanne. Am beeindruckensten aber der Regenwald, der nicht – wie auf Borneo – in feucht-schwüler Luft steht, sondern in angenehmen, mitteleuropäischen 20°C.

Warum Big Island (namens „Hawaii“)?
Weil die Insel mit 2 absoluten Highlights aufwartet: den beiden höchsten Bergen der Welt und einem aktiven Vulkan, der besichtigt werden kann.
Hawaii Big Island ist – wie der Name vermuten läßt – die größte Insel der Kette (größer als alle anderen Inseln zusammen) und zugleich die jüngste und aktivste. Denn sie hat den Kontakt zur Magma-Pipeline des Hot Spots noch nicht verloren, auch wenn die Pazifische Platte – und mit ihr ganz Hawaii – jedes Jahr 10cm nach Nordwesten wandert. Der Hot Spot dagegen muss da bleiben, wo er ist. Die Vulkane Big Islands sind also noch (sehr) aktiv: die aktuelle Eruption des Kilauea dauert bereits seit 1983 an. Das heißt auch, dass die Insel weiter wächst, während die anderen bereits der Erosion anheim fallen. Südlich der Küste Hawaiis wächst – genau über dem Hot Spot – bereits der nächste Vulkan (Loihi) heran, es fehlen ihm noch 1.000 Höhenmeter bis zur Meeresoberfläche.

Am frühen Morgen machen wir uns auf zum „Volcanoes National Park“.
Luftqualität: poor
Eintritt: heute frei (wegen President’s Day)

Wir empfinden die Qualität der Luft keineswegs als „poor“, eher normal, auch nicht anders als in Shanghai. Im Gegenteil, diese Luft ist weltweit einmalig, denn aufgrund des geringen Gasgehalts der hawaiianische Lava hat man nur hier die Möglichkeit, einen aktiven Vulkan hautnah zu erleben. (Deshalb ist Big Island auch das internationale Zentrum der Vulkanforschung.)

Der Einstieg in den Kilauea Iki Krater beginnt am Parkplatz (Crater Rim Drive). Man hatte uns geraten, erst (rechts herum) am Krater-Rand entlang zu wandern und den Ausstieg als Einstieg zu benutzen, weil dieser weniger steil ist.
Es ist ein wunderschöner Weg durch eher nordisch anmutenden Regenwald , der direkt an der Kante entlang führt, der Himmel wolkenschwer. Nach einer halben Stunde geht es steil hinab über Lava-Felsen und Geröllfelder, zum Herzstück des Kilauea Iki . Die üppige Vegetation zieht sich derweilen immer weiter zurück und überläßt das Feld schließlich ganz dem ehemaligen Eruptionszentrum, das als glatte, ebene Fläche daliegt . Hier Mondlandschaft pur

. Immer wieder Stellen, an denen feuchte Dämpfe aufsteigen , die vom starken Wind hin- und hergetrieben und schließlich ganz aufgerieben werden. Zwischen den Lava-Formationen zarte Siedlungsversuche von Pflanzen     .
Alles ziemlich gespenstisch und unwirklich, rau und wild, urgewaltig.
Die Oberflächen rein willkürlich strukturiert, absolut zufällig, ohne erkennbare Systematik.

Bevor wir zum Mittagessen gehen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur „Thurston“ Lava Tube. Hier gefallen uns vor allem die Farne   (sie sollen die größten der nördlichen Erdhalbkugel sein), die Röhre selbst ist wie eine Tropfsteinhöhle ohne Tropfsteine.
Wir nehmen den Lunch im „Vulcano House“ (gegenüber dem Visitor Center), dem angeblich ältesten Hotel Hawaiis: das Layout ist nicht besonders, aber ok, das Essen schmeckt gut und wird getoppt von der Aussicht auf den Kilauea Krater   .
Nach dem Essen schlendern wir über die Holzstege zu den Sulfur-Bänken und schnüffeln ein bisschen an dem typischen „faule-Eier“-Geruch des aus der Erde dampfenden Schwefels. Dieses baumlose Gebiet mit seinen gelb-mineralischen Ablagerungen wirkt wie das Materiallager eines Sulfur-Versuchslabors.     

Die Crater-Rim-Road folgt den erkalteten Lava-Ergüssen bis hinunter zur Küste, da wo sich die Ströme ins Meer ergießen (noch bis 2013, heute treten sie weiter östlich zu Tage und bedrohen aktuell den Ort Pahoa) .
Das ist nicht mehr Mond, das ist eine verzauberte Fabelwelt: mal klar definiert wie Zahnpasta-Stränge frisch aus der Tube, dann wieder wie eben noch dampfende Kuhfladen, oder wie Streuselkuchen-Streusel – leicht und bröselig – aber auch wie alternde Elefantenhaut über dem Fußgelenk, einmal eine Halde alter Autoreifen, die verschiedensten Profile speckig in der Sonne glänzend – Muster und Pattern ohne Ende        .
Richtig dramatisch wird es an der Küste: hier prallt der ungebremste Pazifik auf die abgebrochene Lava-Kante, eine Steilküste aus Schock-gekühltem Lava-Stein – hier treffen zwei Urgewalten aufeinander, zwei Elemente, die absolut ebenbürtig sind …        
     

Tag 3

Hilo: Der Himmel bedeckt, die Wolken tief, das Licht verhangen, 17°C (Hilo hat den Ruf, die regenreichste Stadt der ganzen Inselkette zu sein.): wir fahren zu „Harpers Car & Truck Rental“, dem einzigen Verleiher von Allrad-Fahrzeugen (4WD), der das Befahren des Gipfels des Mauna Kea explizit zuläßt. Und genau da wollen wir hin, auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt: 4.205m nach oben und ca. 4.900m nach unten, macht zusammen über 10.100m.
Der Mitarbeiter meint, dass dieser Winter ungewöhnlich windig sei und wenig Eis noch Schnee gesehen habe.

Wir starten also in etwa auf Meereshöhe und fahren über eine kleine Flüsterasphalt-Straße zum Highway. Die „Land-„Straßen hier sind eher ein vertikales Auf und Ab wie eine aufgestellte Schlange, sie folgen den bizarren Erdformationen, die an den Bergen ihren Ausgang genommen haben.
Als wir auf die „Saddle-Road“ (Hwy 200) treffen, plötzlich strahlender Sonnenschein. Das ist das Charakteristische auf Hawaii: von den 13 Klimazonen, die es auf der Erde gibt, sind 11 auf Hawaii anzutreffen und zwar auf kleinstem Raum. Man fährt – überspitzt gesagt – um die Ecke und ist in einem anderen Erdteil – und das, obwohl Hawaii auf tropischen Breitengraden liegt.

Mit den Wolken haben wir auch das Grün hinter uns gelassen, schleichen auf amerikanische Manier den gut ausgebauten Highway entlang, bis im Middle-of-Nowhere rechts die Abzweigung zum Mauna Kea auftaucht. Inzwischen ist das Bild ein ganz anderes geworden: kahle Seitenvulkane wie Grabhügel, mattenüberzogen mit einzelnen Baumoasen hie und da, dazwischen Grasbüschel und merkwürdige „Stängel“-Pflanzen.
Dann, auf 2829m, ist plötzlich Schluss. Ein offizieller Jeep steht quer: „Es ist too windy!“, wird uns beschieden, „ein Ranger ist oben, kann aber das Auto nicht verlassen, weil er die Tür nicht aufbekommt.“ Aktuell 120 Std./km – ab 90 Std./km wird wieder geöffnet.
Wir sind sehr enttäuscht! und fahren wieder hinunter: dann versuchen wir es eben auf der anderen Seite der Passstraße. Dort scheint es zum gegenüberliegenden Mauna Loa hinauf zu gehen: wieder eine völlig andere Szenerie: eine kleine, einspurige Flüsterstraße führt in die Lava-Wildnis hinein, die jüngeren Datums zu sein scheint, denn es gibt keinerlei pflanzliche Lebenszeichen. Sie entpuppt sich zunehmend als hipp-hipp-hopp Schanzenpiste  durch eine bizarre Wüstenlandschaft aus Fließlava und Lava-Hagel  . Nach schier endloser Achterbahn-Fahrt endet sie (endlich) vor dem Observatarium des Mauna Loa. Weit und breit nichts Sehenswertes. Wir versuchen es noch ein Stück auf der weiterführenden Schotterpiste, um vielleicht doch noch zum Gipfel-Krater zu gelangen (4.169m), aber diese ist selbst für einen ausgemachten 4WD einfach too crazy!
Also alles wieder zurück. An der Passstraße glücklich angekommen, beschließen wir, es noch einmal mit dem Mauna Kea zu versuchen … und – oh welche Freude – die Straßensperrung ist aufgehoben. Ab hier wird es Schotterpiste – allerdings eine breite und fein-granulierte, und die Aus- und Aufsicht immer grandioser. Die Wolkenbank liegt immer noch unverändert am Fuße und beschert Hilo feines Niesel-November-Wetter (in tropischer Vegetation), hier dagegen blauester Himmel, klarste Luft, Sonnenschein und karge Landschaften.
Oben thronen die Oberservations-Kugeln vor spektakulärer Kulisse und trotzen dem pfeifenden Wind. Einige Schneefetzen. 4205 m!        

Dann nehmen wir wieder die Saddle Road und den Hyw 190 Richtung Westen, zur windabgewandten Seite der Insel, nach Kona. Hier ein völlig anderes Bild: An dem stetigen Gefälle bis zur Küste eine Art Binsengras in Monokultur, das sich sanft im spürbar freundlicheren Wind hin- und herwiegt. Alles Karge und Kantige ist verschwunden, der Himmel diesig blau, die Luft schmeichelnd warm und leicht feucht. Schließlich üppigste Tropen-Vegetation, Palmen, Bougainvillea, Oleander, Franchipani – gespeist allein vom Wasser aus dem Grunde, denn Regen fällt ganz selten, deshalb Sonnenschein garantiert.
Kailua Kona ist ein recht touristischer Ort, nicht besonders schön, aber auch nicht häßlich. Februar ist Hochsaison, vor allem für amerikanische Senioren und eventuell Familien mit kleinen Kindern, wenig internationales Publikum. Doch südwärts an der Küste enlang wird Kona immer hübscher: gepflegte Einzelhäuser im amerikanischen Stil, traditionell gebaut, üppige Gärten drum herum; kleine Buchten unter Palmen in wechselnder Kiesel-Färbung (hier zeigt sich wieder, daß Big Island eine noch sehr junge Insel ist, denn es gibt kaum Sandstrände)    ; exotische Pflanzen, viele hübsche Kirchen und Kapellen (darunter auch die älteste Kirche ganz Hawaiis), und Rasen wie ein Berber-Teppich.
Wunderschön friedlich und idyllisch der „Zufluchtsort für Tabubrecher“, eine historische Stätte mit fast sakraler Atmosphäre (die es wert ist, besucht zu werden).    

Tipp: ein Abendessen im „Hubba Gump“ Shrimps hat etwas, nicht nur wegen der Shrimps und den „Forest Gump“-Requisiten, sondern auch wegen des Tisches über der aufbrausenden Gischt.

Tag 4

Am frühen Morgen Weiterflug mit dem Propeller-Insel-Clipper nach Maui.
Hier erwartet uns das high-Highlight unserer Reise: Whale-Watching. Denn in den Wintermonaten tummeln sich die Buckelwale in Mauis geschützten Gewässern und bringen dort ihre Jungen zur Welt, die sie ein Jahr zuvor ebenda gezeugt haben – bevor sie dann wieder nach Norden aufbrechen.

Auf Maui eine ähnliche Situation wie auf den anderen Inseln: regenarmes Sonnenwetter im Westen. Als weitaus ältere Schwester verfügt Maui aber über feine Sandstrände. Überhaupt ist der Standard gehobener: keine Hochhäuser (max. 6 Stckw.), dafür 100 Jahre alte Holzhäuser, gepflegte Ferien-Wohnanlagen und einen Deli-Supermarkt, der seinesgleichen sucht. Das Publikum entsprechend individueller und internationaler. Wir sind in Kihei.

Wir wollen unser Programm zusammen stellen, alle To-dos in ein kompaktes 5-Tages-Paket packen. Doch dies erweist sich bei eingehender Beschäftigung als ausgewachsene Herausforderung, denn der Must-sees sind es viele und wir haben nicht viel Zeit. Da kommt Jeffrey auf den Plan: ein netter, jovialer und agiler End-Fünfziger mit gut trainierter, schlanker Figur. Und diese braucht er auch, ist doch sein Agenturbüro oben an der Steintreppe (neben Fred’s Grill) maximale 1,5×1,5 Meter groß. Dafür hat es aber die wohl grandioseste Lage der Welt: eine unverbaute, also direkte Sicht auf den hawaianischen Sonnenuntergang (der an diesem Abend ganz besonders schön ist).
Jeffrey erklärt, zeigt, telefoniert, tippt in seinen Lap-top, fragt und lacht. „Germans aus Shanghai?“, das findet er ganz exikaligetisch und muss es auch gleich durchs Handy weiter geben: „I can tell you, it’s a long story …“ (ist es eigentlich ja nicht). Um es kurz zu machen: zu den zahlreichen Programmpunkten gibt es noch viel zahlreichere Angebote, alles gar kein Problem. Was dann allerdings doch noch zum Problem werden könnte und ein tiefes Loch in den Zeitplan reißen würde, ist das Erdbeben in Japan. Dieses wird zwar keinen Tsunami, aber doch heftige Winde und vor allem Regen herüber schicken (und das in einem Gebiet mit Sonnenschein-Garantie!).

Tag 5

Whale-Watching mit der „Pacific Whale Foundation“: wir haben sie gesehen, die Mutter mit ihrem Baby  , die buhlenden Rivalen, die gelegentlich in heftigen Kämpfen aneinander geraten, den übermütigen Jungen. Haben über längere Zeit Eskorte gehabt und das Liebeslied des Freiers gehört (denn bei den Buckelwalen singen nur die Männer,): www.whalesongs.net
Es ist schön zu wissen, dass die Populationen wieder auf 22.000 angewachsen sind, nachdem sie schon stark dezimiert gewesen waren.
Sie treiben in dem indigo-marineblauen Wasser und lassen sich die Sonne auf den Rücken scheinen; mehr ist energietechnisch gesehen nicht ‚drin. Denn während ihres Winteraufenthaltes sind sie auf Diät, es gibt buchstäblich nichts zu fressen. Die Gewässer der Vulkangebiete sind sehr nährstoffarm und bilden deshalb praktisch kein Plankton aus – das Wasser ist einfach zu sauber.
    

Wie viele Vegetationszonen noch ‚mal?
Nach dem Besuch bei den Walen fahren wir in einem Rutsch die 65km hinauf zum höchsten Punkt der Insel (3055m), zum Gipfel des größten ruhenden Vulkans der Erde, des Haleakala. Wir wollen den „award winning“ Sonnenuntergang sehen und danach der Milchstraße ganz nahe sein.
Gestartet sind wir in Zuckerrohr-Plantagen, einigen der wenigen, die noch übrig geblieben sind, nach der großen Schrumpfung dieses einstmals so wichtigen Wirtschaftszweiges, um Platz zu machen für Hotels, Golfplätze, Pools, etc. Auf Kaui dienen die stillgelegten Flächen heute dem Anbau von gen-manipulierten Pflanzen. Die Inseln sind das perfekte Outdoor-Labor, in dem das Risiko einer zufälligen Verteilung minimiert bleibt.
Dann geht es wieder einmal durch üppigsten Regenwald, den zu beschreiben das deutsche Vokabular nicht ausreicht. Plötzlich aber wähnen wir uns heimatlichen Gefilden: das kommt uns irgendwie bekannt vor: Weiden mit braunen Kühen (oder Rindern?), Wiesenblumen, Nadelbäume. Auch die holzverkleideten Häuser passen perfekt ins Bild, da stört es auch nicht, dass sie einen etwas anderen Stil pflegen.
Danach folgt eine Lavendelfarm, dann Nebelwald mit Mammutbäumen und Zypressen – bis die Bergstraße Kurve für Kurve über die Baumgrenze kommt und langsam in eine quasi Mondlandschaft übergeht.
Hier hat man das Wolkenband passiert und strebt der unendlichen Tiefe des blauen Himmels entgegen. Man ist im „Haus der Sonne“ (Haleakala) angekommen.
Die Aussicht ist grandios: auf einen der größten Krater der Erde (hier hätte ganz Manhattan Platz), der so sehr der Mondoberfläche ähnelt, dass er den Astronauten der Mondmission als Trainingsplatz diente. Auf die „Rückseite“ der weißen Wolken ringsum, auf die Spitzen der beiden Riesen von Big Island (Mauna Kea und Mauna Loa) in 160km Entfernung, und auf den kleineren Nachbarvulkan von Nebenan.
Der Sonnenuntergang ist spektakulär: die Sonne (ver-)sinkt in einem Tempo, dass man mit den Kameraeinstellungen kaum nachkommt. In gleichem Rhythmus fällt die Temperatur (bis hin zum Gefrierpunkt). Harrt man dann noch eine Weile aus, bis die Stadt nur noch diffus von unten gegen die Wolkendecke anleuchtet, bleibt man quasi alleine zurück, allein mit den Observatorien, in einem Sternenhimmel … der Milchstraße zum Greifen nah.

        


 

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