Hinaus nach Mabul Island

Und so sind wir an Chinesisch Neujahr mit einer voll bepackten Airline nach Borneo geflogen, haben uns ein paar Tage in einem wunderschönen Resort mit angeschlossener Orangutan-Aufzucht-Station 2OrangUtan und ein paar wunderbaren Blicken auf den höchsten Berg Südostasiens, den Mount Kotakinabalu 3MtKota (hier noch nicht ganz) und die geschlossene Urwalddecke 4MtKotakinabalu (4.095m) die Sonne auf den Bauch scheinen lassen (die Angestellten meinten allerdings, es wäre ungewöhnlich kalt und in Indonesien hätte es sogar geschneit!?), bevor es dann weiter ging auf die Insel.

Angekommen in dem kleinen Flughafen von Tawau geht es direkt weiter nach Semporna. Eine Stunde Fahrt über eine ordentliche Straße neueren Datums, vorbei an Palmenplantagen, und immer wieder Palmenplantagen, zuerst junge Palmen, dann hochstämmige Palmen, jeweils mit System gepflanzt, dazwischen auch abgeholzter Urwald, Brachland Brachland noch ohne Palmen. Keine Dörfer, manchmal einzelne Holzhäuser auf Pfählen. Vorbei der üppige Tropenwald, den wir noch in Kotakinabalu und vom Flugzeug aus bewundern durften und der sich bereits weit vor dem Landeanflug verabschiedet hatte.

Semporna mutet deutlich philippinisch an, ist einfach und vielleicht etwas schäbig, dafür aber mit einem großen Angebot an frischen Meeresfrüchten, Hummer die sich noch im Bassin tummeln und je nach Vorlieben zubereitet werden Garnelen. Serviert wird, wie so oft, an Plastik-Tischen und -Stühlen. Eine kleine Episode am Rande: einige zerlumpte Gestalten kommen zielstrebig auf uns zu, treten an den Tisch heran und fordern unsere Getränke ein.
Semporna Village ist überwiegend aufs Wasser hinaus gebaut SempornaII und man fragt sich, warum eigentlich? Land ist genügend vorhanden und das Abholzen des Urwaldes ist ja offensichtlich auch kein Problem. Hat es mit den Besitzverhältnissen zu tun („Wasserland“ gehört niemanden?) oder vielleicht mit den tierischen Bewohnern des Waldes? Oder ist es einfach nur, weil die meisten hier vom Fischfang leben.

Dann der Boots-Terminal, gigantisch hoch, überdimensioniert, in chinesischer Neubauweise (überhaupt sind viele chinesische Zeichen zu sehen), für uns irgendwie vertraut. Hier wurde nicht gekleckert. Das Speed-Boot dagegen schmal, lang und überschaubar (15 Pers.), aber mit beeindruckenden 2x250PS/4-Zylinder Außenbord-Motoren. Warum eine derart hochgerüstete Motorisierung für ein relativ kleines Boot? Ist das Spielerei, Imponiergehabe …? Viel später erzählt man uns, dass die meisten Boote so und noch viel umfangreicher ausgestattet seien, damit sie im Notfall, wenn es brenzlig würde, den Piraten/Terroristen davon fahren könnten.
Und tatsächlich erklärt man uns im Resort, dass die philippinische Grenze in Sichtweite ist, dass es immer wieder Scharmützel gibt wegen ungeklärter Inseln und ihrer Besitzer, dass deswegen das malayische Militär mit Patrouille-Schiffen ständig Präsenz zeigt.

Mit Highspeed geht es glatt und windschnittig links und rechts vorbei an Holzdörfern auf Holzpfählen Holzdorf. Dann hart mit Schlägen auf die offene See hinaus, betupft mit Inseln und Inselchen, und dazwischen wie ein Scherenschnitt im Gegenlicht – wie kann es sein: Häuser und sogar Menschen buchstäblich auf dem Wasser!? Es bleiben eigentlich nur die viel beschriebenen Riffe, die wohl knapp unter der Wasseroberfläche die einzelnen Eilande wie eine Perlenschnur miteinander verbinden (das Gebiet ist im übrigen berühmt für seine Perlen).

So ist die Einfahrt in Mabul Island auch absolute Präzisionsarbeit. Langsam tastet sich das Boot bis zum Anleger vor. Und dann – welch ein Entree: wie eine gute Stube die Insellobby: weicher Sandteppich, zart vibrierende Palmwedel-Decke Palmwedeldecke, gedimmtes Licht, dösige Wärme, gedämpftes Rauschen, aufgeräumt und sauber, der Empfang ganz aus Holz als offene Veranda, der Boden auf Hochglanz poliert. Die Fahrt mit dem Caddy nahezu geräuschlos über makellosen Sand, hindurch durch einen fast gotisch anmutenden Palmentunnel Palmentunnel.
Nach nur etwa 5-10 Minuten ist der Tunnel plötzlich zu Ende und damit auch die Insel und wir fahren hinaus in das gleißende Sonnenlicht auf einen Steg, der übers Meer führt, hinüber zum Resort-Dorf, das wie eine Insel vor der Insel liegt. Unter uns nur noch Wasser, intensivstes Türkusblau wie ein Swimming-Pool kitschiger nicht sein könnte Wasserfarbe. Da wo die Sandbank mit einer Linie ins Dunkel-Blau-Grüne abkippt, erheben sich die Hütten-Häuser, mehrere kleinere, ein paar größere Villenartige und schließlich das Haupthaus mit seiner verwegenen Zick-Zack-Konstruktion als Dach und der Versorgungsstation für die Tauchgänge Haupthaus.

Ab jetzt bleiben wir fern von Land und Insel und tatsächlich ist gerade nachts immer ein unterschwelliges Schwanken zu vernehmen, obwohl der Seegang über der Sandbank mehr nur ein oberflächiges Kräuseln ist und die Verstrebungen der Anlage einen recht stabilen Eindruck machen Konstruktion. Eine weitere Eigenheit, die der Nachtruhe nicht unbedingt förderlich ist, sind die „Haus-Wasserschlangen“, die sich bei Einbruch der Dunkelheit die Pfähle hinauf schaffen, um sich in einer ruhigen, vibrationsarmen Ecke zur Tagesendentspannung einzurollen (in unserem Fall mit 6 Nachwuchs-Kringel). (Daher der Hinweis, bei nächtlicher Wanderung auf den Stegen eine Taschenlampe zu benutzen.) – Aber auch daran gewöhnt man sich.

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Und nun zum eigentlichen Thema: um es vorweg zu nehmen, in die Tiefen der Celebes-See habe ich es dann doch nicht geschafft. Im Pool war noch alles in Ordnung gewesen, trotz des mehr als hautengen Ganz-Körper-Anzuges, der „wasser-schmatzenden“ Halbstiefel, des gefühlte-10Zentner-schweren Rückenaufbaus, der angemuffelten und anlaufschutz-impregnierten Brille und der absolut abroll-resistenten Flossen. Alles natürlich möglichst luftdicht, dafür ausgelegt, das knappe Gut Luft am Körper zu halten. Zwar schien meine Vorbereitung nicht optimal gewesen zu sein, denn die „ein-zwei-drei-vier-fünf“-tiefen, rhythmischen Atemübungen durch die Nase waren allenfalls dazu angetan, die ganzheitliche Balance der all-wöchentlichen Yoga-Asanas zu erhöhen. Im Wasser erwiesen sie sich jedoch als höchst kontraproduktiv. Einmal verinnerlicht, schien man für dieses Element ein für alle Male verloren. Entsprechend kam schon beim bloßen Eintauchen des Gesichts (mit Atemmaske wohlgemerkt!) gelinde Panik auf, die man aber mit einer kopfgesteuerten Beruhigungstaktik ganz gut in den Griff bekommen konnte, und damit nach der zweiten Runde am Grunde des Pools das bei Tauchern übliche Freizeichen für „ja, alles im grünen Bereich“ geben konnte. Der nächste Schritt aber, über die vorher erwähnte Linie, in den dunkel-blau-grünen Abgrund mit der drei-dimensional bewegten Oberfläche war doch etwas ganz Anderes …

Dafür dann aber das Schnorcheln: mit der Schwimmweste um den Leib fühlt man sich leicht, fast schwebend (die Leichtigkeit des Auftriebs) – über einer langsam wechselnden Bühnenkulisse mit einem Auftritt, den man nur für irreal halten kann: alle Formen und Farben dieser Welt kombinieren sich ins Unendliche – welch ein Überfluss, es fehlen die Worte …

Vor Sipadam …

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