Kategorie: Blog

Wiedersehen mit New Delhi

Die Nacht war kurz gewesen, der Flieger kam – wie die meisten internationalen Flüge – mitten in der Nacht an. Es lag nur eine leichte Nebeldecke über Delhi, die glücklicherweise nicht so dicht war, dass eine Landung unmöglich gewesen wäre. Dies stand früher immer zu befürchten, wenn wir aus den Weihnachtsferien in D. zurück kamen. Einmal hatten wir einen Nebel erlebt, der wie Eischnee war, und wir vor dem Auto herlaufen mussten, um dem Fahrer per Handzeichen anzuzeigen, wo die Fahrbahn verlief und wo sie aufhörte.
Aber es war ja bereits Mitte Februar und somit die Voraussetzungen für die gefürchtete Inversions-Wetterlage mit der kalten Luft aus dem Himalaya, die sich über die Luftverschmutzung legt, nicht mehr unbedingt gegeben. Und zum anderen bietet der neue Flughafen inzwischen vielleicht auch andere Navigationsmöglichkeiten.

Wir waren also spät ins Bett gekommen und wurden „mitten in der Nacht“ vom Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen, 4,5 Std. Zeitverschiebung.

Dafür aber werden wir mit einem indischen Frühstück und einer lauen Sonnenluft mehr als entschädigt.

Das moderne Delhi ist für uns ungewohnt: die Metro ist noch jung und wirkt sehr effizient. Die Züge fahren im Minutentakt und entleeren den Bahnsteig fortlaufend. Keine lange Wartezeiten, die Tickets günstig, die Navigation leicht gemacht, das Netz wird immer weiter ausgebaut. Aber es ist Sonntag und wie es hier am Montag aussehen wird, werden wir erst noch sehen. An den unumgänglichen, strengen Sicherheitskontrollen am Eingang merkt man dann doch, dass man in einer indischen Großstadt ist: sie sind für Männer und Frauen getrennt, wobei es im Frauenbereich kaum Wartezeiten gibt, während es bei den Männern zu Warteschlangen kommen kann. Auch hat jeder Zug extra-Frauenplätze, auf deren Reserviertheit immer wieder hingewiesen wird. Der Bereich hinter dem Zug-Cockpit ist sogar komplett den Frauen vorbehalten und wird von einer military person bewacht. Mehr geht nicht.

Das moderne Delhi lassen wir bald hinter uns, tauchen ein in das traditionelle, so wie wir es kennen.
Bei unserem Schalhändler ist alles beim alten, die vertrauten Gesichter, der leckere Masalla-Tee, … aber doch nicht ganz. Die Geschäfte gehen gut, sagt Vikas, und so wird stetig erweitert, das Sortiment, die Räumlichkeiten, das Personal. Doch auch die „traditionelle“ Abteilung prosperiert, die alten Motive und Techniken sind nach wie vor beliebt.

Es ist Messezeit und entsprechend international die Einkäufer.

Tag 2.

Wir haben bei Vodafone eine prepaid Sim-Karte beantragt, die nach 24 Stunden freigeschaltet wird. Kostenpunkt ca. 250 INR (= 3,10E) (für 28 Tage).

Hintergrund dafür ist, dass wir mobiles WIFI benötigen, denn für weitere Strecken möchten wir uns gerne der UBER-App bedienen.
Und dies haben wir heute auch getan: die 43km bis zum Messegelände in Noida haben wir in einem Uber zurückgelegt. Dies hat mehrere Vorteile: es ist kostengünstig, es ist effizient und vor allem ist der Preis nicht verhandelbar. Alles hat einwandfrei geklappt.

Die „handicrafts & gifts“- Messe ist sehr angenehm: Durchlass der Taxen bis zum Eingang, kostenloser Eintritt, freundliche Registrierung, keine Warteschlangen, weitläufiges, aber übersichtliches Gelände und viele gefällige Auslagen. Trotzdem ist die Messe nicht der richtige Tummelplatz für uns. Sie kann lediglich der Inspiration und der Kontaktaufnahme dienen, denn die Mindestabnahmezahlen pro Muster liegen meist im dreistelligen Bereich.

Den Tag wollten wir in einem Roof-Top-Restaurant in „Hauz Khas Village“ beschließen. Hauz Khas Village ist bekannt für seine idyllische Lage und die vielen kleinen Boutiquen und Restaurants am Rande einer historischen Anlage aus dem 13. Jhd. Doch dieses Mal war es irgendwie anders. Vielleicht lag es daran, dass Montag war, an dem Geschäfte und Restaurants oft geschlossen haben, oder weil es abends war und leicht verregnet. Auf jeden Fall eher enttäuschend.

Nachtrag: In Lajpat-Nagar, wo wir für die Sim-Karte unterwegs sind, haben wir ein überraschendes Erlebnis: wir winken eine leere Rikscha heran, um zur U-Bahn-Station zurück zu fahren. Wir wollen den Preis verhandeln, ohne Erfolg, der Fahrer zeigt nur auf ein Schild über ihm und sagt „It’s for free“. Etwas verunsichert und ungläubig steigen wir ein. Auf der Fahrt gibt es noch weitere Hop-ons Hop-offs von anderen Personen. Wir bedanken uns und wollen einen Obolus geben. Doch der Fahrer winkt ab und zieht weiter seine Kreise. (Auch haben wir unterwegs kostenlose Trinkwasser-Stationen gesehen!). Es tut sich was.

Tag 3.

Heute steht ein „Ausflug“ nach Old Delhi an.
Musste dies früher gut geplant werden, wollte man nicht den größten Teil der Exkursion im Auto zubringen, wird man heutzutage nach 40/50 Min. Fahrtzeit im Erdreich von hier auf jetzt in eine andere Welt hinein katapultiert. Und steht, oben angelangt, vor einer Wand. Vor einer undurchdringlichen Wand aus Fahrzeugen. Dumm nur, wenn man auf der falschen Seite gelandet ist. Aber zum Glück ist da ja jetzt die Metro. Hinzu kommt ein Höllenlärm aus Gehupe und (Zweitakter-)Geknatter. Und – wie heute – eine eh schon „ungesunde“ Luft. Eine echte Herausforderung. Nur gut, dass wir noch im Februar sind.

Wir wollen ins Red Fort, aber nicht, um es zu besichtigen, sondern weil in den alten Gewölben des Basars ein wichtiger Lieferant residiert. Es ist nicht ganz einfach zu ihm zu gelangen. Seine Telefone funktionieren an diesem Tag nicht und er muss uns ja schließlich vor den Toren des Forts abholen und durch sämtliche Ticket- und Sicherheitschecks hindurch schleusen.

Wir verbringen ein paar Stunden dort und sind danach erholungsbedürftig. Zur Belohnung fahren wir 2 Stationen weiter und gönnen uns im legendären Maidens-Hotel ein paar Samosas mit Minzsauce und einen Fresh-Lime-Soda mixed. Das Maidens-Hotel war eines der ersten Hotels in Delhi (1903) und hat nichts von seinem alten, kolonialen Charme verloren.

Tag 4.

Heute absolvieren wir erst einmal klassisches Sightseeing-Programm (zu Fuß): India-Gate, Rajpath, Präsidentenpalast, Janpath (Markt), Imperial Hotel, Connaught-Place, … eben Dinge, die man nicht unbedingt tut, wenn man da lebt.

Dabei hat man die weltweit vielleicht einmalige Gelegenheit, eine ansonsten durchgenormte Fast-Food-Kette einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen: ohne Rindfleisch. Auch gibt es separate Küchen für Veg. und Non-Veg., die streng getrennt sind.

Endziel waren schließlich die Galerien an der Baba Kharak Singh Marg. Dort betreiben die einzelnen indischen Bundesländer sogenannte „Emporien“, Kaufhäuser, in denen die typischen Handwerkskunst-Produkte des jeweiligen Landes angeboten werden. Hier interessierten uns vor allen Dingen die verschiedenen Sarees.

Tag 6.

Wir sind noch einmal zurück nach Old Delhi und haben uns in das Gassengewirr gestürzt: der Chandni Chowk – einst von Shahjehan als Prachtstraße angelegt war er in der Neuzeit ein einziger Fahrzeuge-Moloch – ist momentan „Fußgängerzone“ – denn es wird dort gebaut und man kann unbehelligt in der Fahrbahn-Mitte entlang schlendern. Dafür sind die viel zu hoch motorisierten Motorräder in den engen Gassen eine echte Plage. Man kann kein Auge für die vielen schönen Bänder und Borten, goldenen Litzen, roten Bommel in den Auslagen haben. Richtig anstrengend wird es dann, wenn auch noch die überlasteten Touristen-Rikschas hinzu kommen.

Aufatmen kann man erst wieder in der Weite der Jama-Mashid-Moschee oben auf der Anhöhe. Leider ist es uns nicht vergönnt länger zu verweilen, denn es ist Freitag und das Gebetshaus wird zum Freitagsgebet geschlossen.

Die Cotswolds

Das Herzstück Groß-Britanniens – Mittelengland

Wenn Sie einmal in der Gegend sind, gönnen Sie sich eine Tour durch diesen zutiefst englischen Teil Groß-Britanniens – am besten an einem Sonntag, denn das hat Tradition:

Broadway – Chipping Campden – Lunch im Ebrington Arms in Ebrington oder im The Howard Arms in Ilmington oder im Churchill Arms in Paxford – Lower Swell – Stow-on-the-Wold – Bourton-on-the-Water – Lower and Upper Slaughter – Cheltenham zum High Tea im Upper Slaughter Manor House

  Die Cotswolds     
  
 
  
      
  
 
  
 
  
 

aus der chinesischen Gegenwart

Eine deutsche Studentin in Hangzhou …

Meine Lieben,

seit Samstag Nachmittag chinesischer Zeit bin ich jetzt im Reich der Mitte, und mannmannmann was war das für ein Start: Mein Gepäck ist nicht mitgekommen, sollte aber nachts noch geliefert werden und zwar zu mir nach Hangzhou. Da ich aber noch keine chinesische Nummer habe, kann ich nur meine deutsche Nummer angeben. Mit mehr als mulmigem Gefühl fahre ich erst einmal nach Shanghai City, um mir ein neues Aufladekabel für mein Handy zu kaufen. Danach im Zug nach Hangzhou, was ewig gedauert hat, da es einfach unglaublich viele wuselige Chinesen gibt, die sich ständig bewegen. Nach einer halben Odyssee also an der Uni angekommen –> keine Socke da, wo ich laut meinem Registrierungswisch wohnen soll. Es ist dunkel, es nieselt, ich habe kein Gepäck und bin völlig übernächtigt von dem langen Flug. Naja, irgendwie finde ich dann doch – mithilfe meiner etwas rudimentären Chinesisch-Kenntnisse – ein Hostel auf dem Campus, in dem ich für die Nacht bleiben kann.

Sonntag wache ich auf – zum Glück hat das Hostel Handtücher – und registriere mich in meinem Dormitory. Ich gehe auf mein Zimmer und das erste, was mir entgegenspringt, ist ein riesiger, grau/blau/grün gepunkteter, herrlich lebendig wirkender Schimmelfleck, wirklich von der Decke bis zum Boden. Ich schaue mich im restlichen Zimmer um und: es ist so unfaßbar ranzig. Trotzdem kommen mir Zweifel, ob ich in den letzten Jahren nicht etwa zur Luxusmietze geworden bin, oder ob das wirklich einfach nur widerlich ist. Ich traue mich nicht irgendetwas anzufassen. ( Bei anderen waren Kakerlaken im Zimmer oder lagen benutzte Kondome herum.) Hinzu kommt, dass das Zimmer, das ich mir mit einem anderen Mädchen teilen soll, 300 Euro im Monat kostet, für chinesische Verhältnisse viel zu viel, wie sich später herausstellen sollte.

Zum Glück waren gerade zwei gute Freundinnen in Shanghai (die eine besuchte ihre Eltern, die seit Jahren dort leben). Sie wollten mich sowieso besuchen kommen, und als ich sie sehe, muss ich mich wirklich anstrengen, um nicht völlig in Tränen auszubrechen. Wir machen uns einen netten Tag in Hangzhou, und dann nehmen die beiden mich mit nach Shanghai, wo es bei den Eltern Kaiserschmarrn gibt, eine neue Unterhose, und Schlafsachen. Die Eltern legen mir auch nahe, auf jeden Fall auszuziehen, da Schimmel tatsächlich gesundheitsgefährdend ist, vor allem da ich ja einige Zeit dort leben soll.

Ich suche also im Internet nach Wohnungen. Am nächsten Tag versuche ich es bei ein paar Nummern, und ein russisches Mädchen ruft mich tatsächlich zurück! Sie habe eine Wohnung an der Hand, 3 Minuten zu Fuß von der Uni, und am wichtigsten: kein Schimmel. Ich kann mein Glück kaum fassen, sage natürlich sofort zu. Dannach fahre ich zum Flughafen, um persönlich nach meinem Gepäck zu fahnden, denn die Telefonnummer ist entweder besetzt oder es antwortet niemand. Das Gepäck sei schon bei der Delivery-Firma, sagt man mir, und werde morgen (inzwischen ist schon Montag) nach Hangzhou gehen. Ich falle schon wieder in ein Loch, nur der Gedanke an die Wohnung hält mich irgendwie am Laufen. Ich gönne mir eine Fahrt mit der Magnetschwebebahn, die einem 45 Minuten in der U-Bahn erspart, ein witziges Fahrgefühl, man denkt wirklich ein bisschen, dass man schwebe.

Im Zug nach Hangzhou bekomme ich wieder ein mulmiges Gefühl, das mich nicht täuscht, denn die Russin schreibt mir, dass die Vermieterin sie gerade angerufen habe: die Wohnung ist doch schon vergeben. Ihr geht es auch richtig schlecht deswegen. Wir verabreden uns für später. Wieder in der Bude im Dorm wird mir klar, dass ich hier nicht bleiben kann. Meine neue Mitbewohnerin tut mir etwas leid, ich empfehle ihr, sich auch eine neue Wohnung zu suchen, was ihr aber zu anstrengend ist.

Die Russin hat zum Glück eine andere Wohnung im gleichen Gebäude gefunden, selber Schnitt, wohl nur etwas teurer. Ist mir relativ schnuppe in diesem Moment. Nach einer ziemlich unruhigen Nacht immatrikuliere ich mich erst einmal und schaue mir dann die Wohnung an. Muss ein bisschen geputzt werden, aber kein Schimmel, sowie ein eigenes Zimmer mit großem Bett und Balkon. Wir quatschen mit der Vermieterin, die ziemlich zickig ist, und einigen uns auf einen guten Preis. Obwohl die Wohnung so viel luxuriöser ist als das Dorm-Zimmer, ist es tatsächlich günstiger. Den Rest des Tages bete ich, dass die Wohnung bis abends um 7 Uhr frei bleibt und wir dann einziehen können. Wenn nicht, bin ich homeless, da ich aus meinem Dorm direkt ausziehen musste. Um halb 7 ist mein Gepäck immer noch nicht da, und mein Stresslevel auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Da erfahre ich 20 vor 7 Uhr, dass mein Gepäck in einer halben Stunde ankommen soll. Um 7 soll ich aber meinen Mietvertrag unterschreiben. Die Russin geht mit meinen beiden anderen neuen Mitbewohnern schon einmal vor und fängt mit den Verhandlungen an. Ich sitze derweil in der Lobby des Schimmeldorms auf glühenden Kohlen und warte. Irgendwann rückt dann tatsächlich ein kleiner Chinese auf einem noch kleineren Moped an, hinten eine riesige Box ohne Inhalt, und vorne zwischen den Beinen meinen 26-kg-Koffer, der in 5 Lagen eingepackt ist. Diese absurde Situation wird noch wahlloser, als ich den Fahrer bitte, mir zu helfen die „Verpackung“ abzunehmen. Er holt eine kleine Klinge heraus und fängt, wahrscheinlich von meiner Nervosität angesteckt, an, wie ein Blöder auf die Verpackung einzustechen. Mit Koffer und Plastiktüten renne ich dann zu meiner neuen Wohnung, die nur 3 Minuten zu Fuß von der Uni entfernt liegt. Dort verhandelt die 18-jährige Sasha knallhart mit den genauso knallharten Vermietern. Was für ein unglaubliches Glück ich habe, dass ich an dieses Mädchen geraten bin, wird mir jetzt so richtig klar. Ich glaube, die Russen und die Chinesen sind sich in ihrer Verhandlungsart relativ ähnlich. Da wird sich auch schon mal angeschrien und ein Level von Unhöflichkeit erreicht, den ich niemals die Nerven hätte aufrecht zu erhalten. Am Ende unterschreiben wir unseren Vertrag mit unserem zuvor in rote Tinte getunkten Fingerabdruck. Völlig freaky!

Jetzt habe ich mein Zimmer ordentlich geputzt – der Rest der Wohnung kommt später unter den Lappen -, habe eine lange Dusche gehabt und neue, saubere Klamotten angezogen. Das Gute an diesem etwas holprigen Start ist, dass ich wirklich schon viel Chinesisch reden musste, und ein bisschen von meiner Hemmschwelle abbauen konnte. Die Leute sprechen hier im Durchschnitt noch weniger Englisch als in Peking, und ich frage mich, wie man ohne Chinesischkenntnisse durchkommen soll. Hangzhou an sich ist wirklich wunderschön, eine sehr grüne Stadt, was ungewöhnlich ist für China, mit einem riesigen See in der Mitte, dschungeligen Hügeln, auf denen Pagoden und Tempel stehen, und erstaunlich freundlichen Menschen. Ich bin mir jetzt langsam sicher, dass ich mich hier wohlfühlen werde. Jeder Anfang ist ja bekanntlich schwer …

Ich denke viel an euch, und hoffe dass es euch allen gut geht!
Eure B.

Die nördliche Seidenstraße

am Rande der Wüste    

Der Mythos des Seidenhandels über Tausende von Kilometern hinweg war einfach zu schön: große Mühen und Strapazen hatten sie auf sich genommen, die Risiken um Leben und Vermögen in den Wind geschlagen, keinen Aufwand an Zeit und Material gescheut, nur um das einzigartige Produkt Seide vom Reich der Mitte nach dem fernen Westen zu schaffen, wo es in den Metropolen heiß begehrt war. Oft ging die Reise über Damaskus, wo die berühmten Seidenweber ansässig waren. Für Purpur-Gewänder setzte sie sich in Tyrus und Alexandrien fort.
Natürlich wurden auch Porzellane, Teppiche, Gewürze oder Tee auf den verschlungenen Karawanenwegen verbracht. Doch mit der Erfindung der Seiden-Herstellung in China war für die Händler ein goldenes Zeitalter angebrochen.
Und der Weg war wahrhaftig beschwerlich: am Jadetor-Pass übernahmen die Kamele, denn hier beginnt die Takla-Makan, die Wüste, aus der keiner zurückkehrt. Sie brachten die Lasten über die nördliche oder südliche Rand-Route nach dem entlegenen Kashgar. Hier am Fuße der hohen Gebirge wurden die Kamele von Yaks oder Maultieren abgelöst, die dann ihren Weg suchten über das Karakourum-Gebirge, den Tien-Shan oder den Hohen Pamir – alles „snowcap mountains“ mit schwindelerregenden Höhen. Auf einigen Routen musste wahrscheinlich noch einmal umgeladen werden, auf den Rücken von Trägern …

21.06.2014: Die UNESCO hat die Seidenstraße zum Weltkulturerbe ernannt, das gab sie am Samstag anläßlich ihrer Sitzung in Doha, Katar bekannt.

Wir wollten in Kashgar beginnen und über die „Hot Spots“ der nördlichen Route nach Osten reisen, in Richtung des Ausgangspunkts der Seidenstraße: XiAn. Zum Sonntagsmarkt wollten wir vor Ort sein, denn dieser gilt als einer der letzten großen Märkte seiner Art in Asien. Doch daraus wurde nichts …
Schon der Flug nach Urumqi stand unter keinem guten Zeichen: die geöffnete Tüte in der Hand versuchte ich krampfhaft – auch mein Magen befand sich in eben diesem Zustand – den heftigen Stößen nach rechts und links, nach oben und unten die Spitze zu nehmen, und hoffte inständig, dass unser Flugzeug da mehr Geschmeidigkeit würde aufbringen können (was es natürlich tat). Nach 4,5 Stunden Flug endlich in Urumqi angekommen, wurden wir sogleich vom Gros der Fluggäste separiert und zusammen mit einem kleinen Grüppchen von nicht Han-Chinesen in einen zweiten Bus verbracht; wir wollten ja weiter nach Kashgar/alias Kashi. Soweit in Ordnung. Als jedoch die junge Dame mit der künstlichen Haarpracht (Perücke?) eine wohl prononcierte Ansage auf Mandarin machte, die von den Mitreisenden mit Raunen quittiert wurde, und die meisten daraufhin ihre Handys zückten, wurde klar, dass uns der Bus nur noch bis zum Flughafengebäude bringen würde – Ende Gelände. Gestern, heute und voraussichtlich die ganz nächste Woche tobt der Sandsturm!

Kashgar würden wir also nicht zu Gesicht bekommen. Wir waren ziemlich enttäuscht, denn gerade die Altstadt wird allseits (in den Reiseführern) sehr empfohlen. Später erfuhren wir jedoch von unserem lokalen Reiseführer, dass es diese praktisch nicht mehr gäbe!
Dafür aber bekamen wir in Urumqi eine echte Sensation zu sehen.
Zunächst sah es nicht danach aus, war doch die Stadt selbst nicht unbedingt ansprechend, chinesische Zweckbauten in einem deutlich ungepflegteren Zustand. Allenfalls die überaus zahlreichen Moscheen gaben ein gewisses (uigurisches) Lokalkolorit, auch wenn sie stumm blieben. Zudem schienen die angekündigten Highlights (Museum und Int. Basar) nur ein schwacher Trost zu werden.
Die Mumien im Regionalmuseum aber waren ein echter Kracher: da ist die (ca. 4.000 Jahre) junge „Loulan Beauty“, hübsch anzusehen mit ihren dichten Wimpern, großen Augen und ihrer langen Haarfrisur, oder die „fabled giants“ mit über 2 Metern  Körpergröße oder etwa der Mann mit der ersten Beinprothese (lange bevor die Römer ihr Capua Leg hatten). Es liegen Mongolen neben blonden Europäern, Kinder  und Erwachsene , Menschen mittleren Alters und alte Leute, die alle vor vermuteten 2.500 bis 3.000 Jahren im Schmelztiegel Xinjiang, hier an der Schnittstelle zu Zentral-Asien gelebt haben. Die klimatischen Bedingungen waren und sind hervorragend: praktisch kein Regen, hohe Temperaturen und extrem trockene Luft lassen die umgehende (natürliche) Mumifizierung zum Kinderspiel werden. Haut, Haare, Textilien, Samen sind in einer Art „Schocktrocknung“ für die Ewigkeit konserviert. Und die Ausgrabungen haben erst begonnen: viele und Vieles liegen noch unter dem Sand begraben und harren ihres weiteren Schicksals.

Meine Frage: Gibt es nun noch eine richtige Altstadt in Kashgar, oder nicht?

Tag 2

Die Fahrt nach Turpan, in die Oasenstadt inmitten des gleichnamigen Beckens, war ausgesprochen öde (in jeder Hinsicht ). Zwar ist die Senke rechts und links von den viel erwähnten „snowcap mountains“ des Tien Shan und des Bogda Gebirges flankiert, was eigentlich auf eine gewisse Fruchtbarkeit hoffen läßt, doch bleibt die Ebene ausgedörrt und kahl. In unserem Fall blieben die Berge schemenhaft und konturlos hinter dem „Sandsmog“ verborgen, der uns die ganze Reise über nicht von der Seite wich. Blauen Himmel bekamen wir nicht zu sehen.
Ungehindert pfeift der kalte Wind von Norden her über das Land (bei 4°C (Ende April!)), bis er auf Windturbinen trifft – auf viele Windturbinen, auf den größten Windpark Chinas, der seine Endgröße vermutlich noch nicht erreicht hat .
Es geht stetig bergab und die Schneereste am Fuße der Hänge werden immer seltener. Nach etwa einer Stunde Fahrt plötzlich ein großes, langgezogenes Schneefeld , merkwürdig homogen und gleichmäßig, die Ränder wie abgezirkelt. Es ist Salz, versalzter Boden am Rande eines toten Sees, die abgesunkene Wasseroberfläche wie Blei .

no images were found

Die Ankunft im Becken von Turpan (oder Turfan) und seiner Minus-Höhe (im Schnitt 150m unter dem Meeresspiegel) war eine wahre Wohltat: Vegetation und Leben, was nicht zuletzt dem ausgeklügelten Bewässerungssystem zu verdanken ist, das mit seinen unterirdischen Kanälen und Speichern 2.000 Jahre lang hervorragend funktioniert hat, nun aber wegen des immer extensiveren Trauben-Anbaus und steigender Bevölkerungszahlen an seine Leistungsgrenze stößt. Die Rosinen aber, die in unzähligen Sorten, Farben und Größen an fast jeder Straßenecke angeboten werden, schmecken einfach köstlich und können den Zuckerspiegel ohne Probleme über längere Zeit konstant hoch halten. Dass sich die multi-kulti Händler mit ziemlicher Sicherheit damalds auch schon an ihnen gütlich getan haben, belegen die „mumifizierten“ Samen aus den Wüstengräbern. Auf jeden Fall prägen die Rebstöcke, zusammen mit den Pappeln am Straßenrand, das Bild. In den luftigen Lehmziegelhäusern mit den schartenartigen Öffnungen   werden im August/September die geernteten Trauben aufgehängt und in 30 Tagen durch natürliche Lufttrocknung zu Rosinen geschrumpft.
Später im Hotel trafen wir auf einen griechischen Unternehmer, der die anfallenden Weinblätter im großen Stil in die Heimat verschifft, wo sie als griechische Spezialität serviert werden. Findig muss man sein!
Auf einem großen Felsplateau zwischen zwei ehemaligen Flußläufen liegt prominent die alte Garnisonsstadt Jiaohe Jiaohe . In der Han-Dynastie gegründet galt sie 13 Jahrhunderte lang als uneinnehmbar, bis die Horden Dschinghis Khans kamen und dieser Mär ein Ende setzten. Seit dieser Zeit ruht sie als Ruinenstadt auf dem Felsplateau, in ihrer Struktur und ihrem Aufbau nur durch die Grundrisse und die Ausformung zu erkennen, denn das Stilleben ist komplett in Sandgelb gehalten
. Am höchsten Punkt thront der großangelegte buddhistische Tempel . Sehr beeindruckend!

Mein Tipp: Unser Hotel in Turpan (Turpan Tu Ha Petroleum) war zwar zentral gelegen, aber nicht gemütlich und die Betten wieder einmal sehr hart. Da aber die Stadt und auch der nahe gelegene Nachtmarkt nicht besonders interessant sind, ist dies kein Vorteil. (Es hatte ein 50m Schwimmbecken – am Rande der Wüste!!) Sehr schön war wieder das Museum.

Literatur-Tipp: Baumann, Bruno: „Die Seidenstraße“, terra magica 2013.

Jenseits von Osten = äußerster Westen

  wo Osten und Westen zusammentreffen: Hawaii  

Shanghai 7:30: auf dem Weg zum Flughafen wird uns plötzlich klar, dass wir in 4 Minuten in Honolulu landen werden, und zwar nicht morgen um die gleiche Zeit, sondern heute (Freitag, den 13.!). Wir fliegen weit nach Osten, zurück über die Datumsgrenze und fangen – nach 18 Stunden Flugzeit – den Tag noch einmal ganz von Vorne an.

Von Hawaii hatte ich nur eine verkürzte Vorstellung: ich wußte, dass es der 50. Bundesstaat der USA ist, hatte den Hollywood-Schinken „Pearl Harbor“ und den „Ritt auf der Bombe“ gesehen, wie auch die alljährlich wiederkehrenden Bilder der „Iron-Men“. Ich war mir der geschichtlichen Bedeutung des Angriffs auf den Hafen bewußt und hatte ansonsten ein bestimmtes Bild vor Augen: das eines fast-food-genährten Amerikaners im bunten Hawaii-Hemd mit Blumengirlanden um den Hals, das ganze unter Palmen. Hinter ihm brandet das Meer und er hält einen eisgekühlten Drink mit Eis-Schirmchen in der Hand – die gängigen Klischees eben.
Hawaii stand also nicht auf der Hitliste meiner persönlichen Reise-Wunsch-Ziele, nicht einmal auf den untersten Rängen.
Aber dann mehrten sich in Shanghai die Berichte, die begeisterten: „Wunderbar, traumhaft!“, „Da müßt ihr unbedingt einmal hin …“ – „Ja, aber Waikiki und der Ballermann!“ – „Könnt ihr links liegen lassen, spielt keine Rolle.“
Und von Shanghai aus sind es nur noch schlappe 6.000 km. Also wenn nicht jetzt, wann dann?

Doch mit einem Entschluss und eventuell einer Buchung des Hin- und Rückfluges ist noch nicht viel gewonnen, steht man noch ganz am Anfang: „eine genaue Zeitplanung empfiehlt sich dringend, denn Reiseleistungen wie innerhawaiianische Flüge, Reservierung der Mietwagen und der Unterkünfte sollten am besten vorab erledigt werden.“ Und dafür muss man sich erst einmal klar werden, was man sehen und erleben möchte. Es gilt also auszuwählen aus den „tausend“ Möglichkeiten …

Tag 1

Morgens – wie gesagt – in Hononlulu gelandet, wollen wir eigentlich nur den Tag überbrücken, bis uns der Inselhopper    nach Big Island bringt, wo unsere eigentliche Reise beginnt (Fähren gibt es so gut wie nicht mehr, weil die Strömung zwischen den Inseln sehr stark ist).
Wir fahren zu Pearl Harbor, ohne große Erwartungen, denn es soll nicht viel zu sehen sein. Das Memorial ist nicht unbedingt gut ausgeschildert, was einigermaßen erstaunt, ist es doch einer der beliebtesten Anlaufpunkte der Insel (Oahu), vor allem für Japaner, die gruppenweise das Visitor Center entern. Überhaupt sind die japanischen Touristen und ihre Schriftzeichen überall präsent und nicht zu übersehen (eine verspätete Landnahme nach 1941?).
Vor dem Eingang extra Parkplätze für „Überlebende“ Survivors (ein Glück, das nicht vielen Marines zuteil wurde: über 2.400 Tote und etwa 1.200 Verwundete), der Eintritt (natürlich) frei, die Sicherheitsvorschriften (seit 2001) verschärft; unser Termin für die Fahrt zum eigentlichen Memorial (einem Bau über der gesunkenen U.S.S. Arizona) ist erst in 3 Stunden. Wir essen einen ersten Hot Dog  , schauen uns eingehend die alten Kriegsgeräte an und verlassen dann die Anlage wieder.
Stattdessen wollen wir zu einem der berühmtesten Strände der Welt: Waikiki Beach. Strände sind in den USA grundsätzlich öffentlich, und so ist es kein Problem, dorthin zu gelangen und sich nach Lust und Laune zu tummeln: es bläst ein starker Wind und dementsprechend ist der Wellengang, der – von den Korallenriffen in der Ferne abgebremst – zu den berühmt/berüchtigten „Monsterwellen“ aufsteigen kann. Das Licht ist gleißend (vor allem für uns, die wir aus dem Winter kommen und zudem völlig übernächtigt sind), die Temperaturen wunderbare 22°-28°C, viel Dynamik am Himmel mit immer wieder dramatischen Wolkenformationen.

Tag 2

Das Haus im Regenwald

Eine Mauer oder einen Gartenzaun braucht es hier nicht, der Urwald ringsum steht undurchdringlich, der Garten wie ein Zimmer mit Oberlicht, eingefaßt von Farnen, wie man sie als Europäer nicht für möglich hält: baumhoch mit Blättern im Gartenschirm-Format  .

Wir waren erst spät in Hilo angekommen, in der Dunkelheit, und hatten nach über 30 Stunden Reisezeit nur noch einen Gedanken: ins Bett.
Das Haus ist schön: auf 1.000 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, im amerikanischen Landhausstil, ganz aus Holz mit Sprossen-Schiebefenstern und einer überdachten Veranda vorne wie auch hinten, auf vier Betonpfosten höher gesetzt und mit Holzsprossen verkleidet, typisches Alu-Walmdach, alles in einem Ton gestrichen. Groß, geräumig, Holzfußboden, offener Wohnbereich und riesiger Kühlschrank (wie sich das gehört), überaus sauber. Im Garten die Jacuzzi-Wanne. Am beeindruckensten aber der Regenwald, der nicht – wie auf Borneo – in feucht-schwüler Luft steht, sondern in angenehmen, mitteleuropäischen 20°C.

Warum Big Island (namens „Hawaii“)?
Weil die Insel mit 2 absoluten Highlights aufwartet: den beiden höchsten Bergen der Welt und einem aktiven Vulkan, der besichtigt werden kann.
Hawaii Big Island ist – wie der Name vermuten läßt – die größte Insel der Kette (größer als alle anderen Inseln zusammen) und zugleich die jüngste und aktivste. Denn sie hat den Kontakt zur Magma-Pipeline des Hot Spots noch nicht verloren, auch wenn die Pazifische Platte – und mit ihr ganz Hawaii – jedes Jahr 10cm nach Nordwesten wandert. Der Hot Spot dagegen muss da bleiben, wo er ist. Die Vulkane Big Islands sind also noch (sehr) aktiv: die aktuelle Eruption des Kilauea dauert bereits seit 1983 an. Das heißt auch, dass die Insel weiter wächst, während die anderen bereits der Erosion anheim fallen. Südlich der Küste Hawaiis wächst – genau über dem Hot Spot – bereits der nächste Vulkan (Loihi) heran, es fehlen ihm noch 1.000 Höhenmeter bis zur Meeresoberfläche.

Am frühen Morgen machen wir uns auf zum „Volcanoes National Park“.
Luftqualität: poor
Eintritt: heute frei (wegen President’s Day)

Wir empfinden die Qualität der Luft keineswegs als „poor“, eher normal, auch nicht anders als in Shanghai. Im Gegenteil, diese Luft ist weltweit einmalig, denn aufgrund des geringen Gasgehalts der hawaiianische Lava hat man nur hier die Möglichkeit, einen aktiven Vulkan hautnah zu erleben. (Deshalb ist Big Island auch das internationale Zentrum der Vulkanforschung.)

Der Einstieg in den Kilauea Iki Krater beginnt am Parkplatz (Crater Rim Drive). Man hatte uns geraten, erst (rechts herum) am Krater-Rand entlang zu wandern und den Ausstieg als Einstieg zu benutzen, weil dieser weniger steil ist.
Es ist ein wunderschöner Weg durch eher nordisch anmutenden Regenwald , der direkt an der Kante entlang führt, der Himmel wolkenschwer. Nach einer halben Stunde geht es steil hinab über Lava-Felsen und Geröllfelder, zum Herzstück des Kilauea Iki . Die üppige Vegetation zieht sich derweilen immer weiter zurück und überläßt das Feld schließlich ganz dem ehemaligen Eruptionszentrum, das als glatte, ebene Fläche daliegt . Hier Mondlandschaft pur

. Immer wieder Stellen, an denen feuchte Dämpfe aufsteigen , die vom starken Wind hin- und hergetrieben und schließlich ganz aufgerieben werden. Zwischen den Lava-Formationen zarte Siedlungsversuche von Pflanzen     .
Alles ziemlich gespenstisch und unwirklich, rau und wild, urgewaltig.
Die Oberflächen rein willkürlich strukturiert, absolut zufällig, ohne erkennbare Systematik.

Bevor wir zum Mittagessen gehen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur „Thurston“ Lava Tube. Hier gefallen uns vor allem die Farne   (sie sollen die größten der nördlichen Erdhalbkugel sein), die Röhre selbst ist wie eine Tropfsteinhöhle ohne Tropfsteine.
Wir nehmen den Lunch im „Vulcano House“ (gegenüber dem Visitor Center), dem angeblich ältesten Hotel Hawaiis: das Layout ist nicht besonders, aber ok, das Essen schmeckt gut und wird getoppt von der Aussicht auf den Kilauea Krater   .
Nach dem Essen schlendern wir über die Holzstege zu den Sulfur-Bänken und schnüffeln ein bisschen an dem typischen „faule-Eier“-Geruch des aus der Erde dampfenden Schwefels. Dieses baumlose Gebiet mit seinen gelb-mineralischen Ablagerungen wirkt wie das Materiallager eines Sulfur-Versuchslabors.     

Die Crater-Rim-Road folgt den erkalteten Lava-Ergüssen bis hinunter zur Küste, da wo sich die Ströme ins Meer ergießen (noch bis 2013, heute treten sie weiter östlich zu Tage und bedrohen aktuell den Ort Pahoa) .
Das ist nicht mehr Mond, das ist eine verzauberte Fabelwelt: mal klar definiert wie Zahnpasta-Stränge frisch aus der Tube, dann wieder wie eben noch dampfende Kuhfladen, oder wie Streuselkuchen-Streusel – leicht und bröselig – aber auch wie alternde Elefantenhaut über dem Fußgelenk, einmal eine Halde alter Autoreifen, die verschiedensten Profile speckig in der Sonne glänzend – Muster und Pattern ohne Ende        .
Richtig dramatisch wird es an der Küste: hier prallt der ungebremste Pazifik auf die abgebrochene Lava-Kante, eine Steilküste aus Schock-gekühltem Lava-Stein – hier treffen zwei Urgewalten aufeinander, zwei Elemente, die absolut ebenbürtig sind …        
     

Tag 3

Hilo: Der Himmel bedeckt, die Wolken tief, das Licht verhangen, 17°C (Hilo hat den Ruf, die regenreichste Stadt der ganzen Inselkette zu sein.): wir fahren zu „Harpers Car & Truck Rental“, dem einzigen Verleiher von Allrad-Fahrzeugen (4WD), der das Befahren des Gipfels des Mauna Kea explizit zuläßt. Und genau da wollen wir hin, auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt: 4.205m nach oben und ca. 4.900m nach unten, macht zusammen über 10.100m.
Der Mitarbeiter meint, dass dieser Winter ungewöhnlich windig sei und wenig Eis noch Schnee gesehen habe.

Wir starten also in etwa auf Meereshöhe und fahren über eine kleine Flüsterasphalt-Straße zum Highway. Die „Land-„Straßen hier sind eher ein vertikales Auf und Ab wie eine aufgestellte Schlange, sie folgen den bizarren Erdformationen, die an den Bergen ihren Ausgang genommen haben.
Als wir auf die „Saddle-Road“ (Hwy 200) treffen, plötzlich strahlender Sonnenschein. Das ist das Charakteristische auf Hawaii: von den 13 Klimazonen, die es auf der Erde gibt, sind 11 auf Hawaii anzutreffen und zwar auf kleinstem Raum. Man fährt – überspitzt gesagt – um die Ecke und ist in einem anderen Erdteil – und das, obwohl Hawaii auf tropischen Breitengraden liegt.

Mit den Wolken haben wir auch das Grün hinter uns gelassen, schleichen auf amerikanische Manier den gut ausgebauten Highway entlang, bis im Middle-of-Nowhere rechts die Abzweigung zum Mauna Kea auftaucht. Inzwischen ist das Bild ein ganz anderes geworden: kahle Seitenvulkane wie Grabhügel, mattenüberzogen mit einzelnen Baumoasen hie und da, dazwischen Grasbüschel und merkwürdige „Stängel“-Pflanzen.
Dann, auf 2829m, ist plötzlich Schluss. Ein offizieller Jeep steht quer: „Es ist too windy!“, wird uns beschieden, „ein Ranger ist oben, kann aber das Auto nicht verlassen, weil er die Tür nicht aufbekommt.“ Aktuell 120 Std./km – ab 90 Std./km wird wieder geöffnet.
Wir sind sehr enttäuscht! und fahren wieder hinunter: dann versuchen wir es eben auf der anderen Seite der Passstraße. Dort scheint es zum gegenüberliegenden Mauna Loa hinauf zu gehen: wieder eine völlig andere Szenerie: eine kleine, einspurige Flüsterstraße führt in die Lava-Wildnis hinein, die jüngeren Datums zu sein scheint, denn es gibt keinerlei pflanzliche Lebenszeichen. Sie entpuppt sich zunehmend als hipp-hipp-hopp Schanzenpiste  durch eine bizarre Wüstenlandschaft aus Fließlava und Lava-Hagel  . Nach schier endloser Achterbahn-Fahrt endet sie (endlich) vor dem Observatarium des Mauna Loa. Weit und breit nichts Sehenswertes. Wir versuchen es noch ein Stück auf der weiterführenden Schotterpiste, um vielleicht doch noch zum Gipfel-Krater zu gelangen (4.169m), aber diese ist selbst für einen ausgemachten 4WD einfach too crazy!
Also alles wieder zurück. An der Passstraße glücklich angekommen, beschließen wir, es noch einmal mit dem Mauna Kea zu versuchen … und – oh welche Freude – die Straßensperrung ist aufgehoben. Ab hier wird es Schotterpiste – allerdings eine breite und fein-granulierte, und die Aus- und Aufsicht immer grandioser. Die Wolkenbank liegt immer noch unverändert am Fuße und beschert Hilo feines Niesel-November-Wetter (in tropischer Vegetation), hier dagegen blauester Himmel, klarste Luft, Sonnenschein und karge Landschaften.
Oben thronen die Oberservations-Kugeln vor spektakulärer Kulisse und trotzen dem pfeifenden Wind. Einige Schneefetzen. 4205 m!        

Dann nehmen wir wieder die Saddle Road und den Hyw 190 Richtung Westen, zur windabgewandten Seite der Insel, nach Kona. Hier ein völlig anderes Bild: An dem stetigen Gefälle bis zur Küste eine Art Binsengras in Monokultur, das sich sanft im spürbar freundlicheren Wind hin- und herwiegt. Alles Karge und Kantige ist verschwunden, der Himmel diesig blau, die Luft schmeichelnd warm und leicht feucht. Schließlich üppigste Tropen-Vegetation, Palmen, Bougainvillea, Oleander, Franchipani – gespeist allein vom Wasser aus dem Grunde, denn Regen fällt ganz selten, deshalb Sonnenschein garantiert.
Kailua Kona ist ein recht touristischer Ort, nicht besonders schön, aber auch nicht häßlich. Februar ist Hochsaison, vor allem für amerikanische Senioren und eventuell Familien mit kleinen Kindern, wenig internationales Publikum. Doch südwärts an der Küste enlang wird Kona immer hübscher: gepflegte Einzelhäuser im amerikanischen Stil, traditionell gebaut, üppige Gärten drum herum; kleine Buchten unter Palmen in wechselnder Kiesel-Färbung (hier zeigt sich wieder, daß Big Island eine noch sehr junge Insel ist, denn es gibt kaum Sandstrände)    ; exotische Pflanzen, viele hübsche Kirchen und Kapellen (darunter auch die älteste Kirche ganz Hawaiis), und Rasen wie ein Berber-Teppich.
Wunderschön friedlich und idyllisch der „Zufluchtsort für Tabubrecher“, eine historische Stätte mit fast sakraler Atmosphäre (die es wert ist, besucht zu werden).    

Tipp: ein Abendessen im „Hubba Gump“ Shrimps hat etwas, nicht nur wegen der Shrimps und den „Forest Gump“-Requisiten, sondern auch wegen des Tisches über der aufbrausenden Gischt.

Tag 4

Am frühen Morgen Weiterflug mit dem Propeller-Insel-Clipper nach Maui.
Hier erwartet uns das high-Highlight unserer Reise: Whale-Watching. Denn in den Wintermonaten tummeln sich die Buckelwale in Mauis geschützten Gewässern und bringen dort ihre Jungen zur Welt, die sie ein Jahr zuvor ebenda gezeugt haben – bevor sie dann wieder nach Norden aufbrechen.

Auf Maui eine ähnliche Situation wie auf den anderen Inseln: regenarmes Sonnenwetter im Westen. Als weitaus ältere Schwester verfügt Maui aber über feine Sandstrände. Überhaupt ist der Standard gehobener: keine Hochhäuser (max. 6 Stckw.), dafür 100 Jahre alte Holzhäuser, gepflegte Ferien-Wohnanlagen und einen Deli-Supermarkt, der seinesgleichen sucht. Das Publikum entsprechend individueller und internationaler. Wir sind in Kihei.

Wir wollen unser Programm zusammen stellen, alle To-dos in ein kompaktes 5-Tages-Paket packen. Doch dies erweist sich bei eingehender Beschäftigung als ausgewachsene Herausforderung, denn der Must-sees sind es viele und wir haben nicht viel Zeit. Da kommt Jeffrey auf den Plan: ein netter, jovialer und agiler End-Fünfziger mit gut trainierter, schlanker Figur. Und diese braucht er auch, ist doch sein Agenturbüro oben an der Steintreppe (neben Fred’s Grill) maximale 1,5×1,5 Meter groß. Dafür hat es aber die wohl grandioseste Lage der Welt: eine unverbaute, also direkte Sicht auf den hawaianischen Sonnenuntergang (der an diesem Abend ganz besonders schön ist).
Jeffrey erklärt, zeigt, telefoniert, tippt in seinen Lap-top, fragt und lacht. „Germans aus Shanghai?“, das findet er ganz exikaligetisch und muss es auch gleich durchs Handy weiter geben: „I can tell you, it’s a long story …“ (ist es eigentlich ja nicht). Um es kurz zu machen: zu den zahlreichen Programmpunkten gibt es noch viel zahlreichere Angebote, alles gar kein Problem. Was dann allerdings doch noch zum Problem werden könnte und ein tiefes Loch in den Zeitplan reißen würde, ist das Erdbeben in Japan. Dieses wird zwar keinen Tsunami, aber doch heftige Winde und vor allem Regen herüber schicken (und das in einem Gebiet mit Sonnenschein-Garantie!).

Tag 5

Whale-Watching mit der „Pacific Whale Foundation“: wir haben sie gesehen, die Mutter mit ihrem Baby  , die buhlenden Rivalen, die gelegentlich in heftigen Kämpfen aneinander geraten, den übermütigen Jungen. Haben über längere Zeit Eskorte gehabt und das Liebeslied des Freiers gehört (denn bei den Buckelwalen singen nur die Männer,): www.whalesongs.net
Es ist schön zu wissen, dass die Populationen wieder auf 22.000 angewachsen sind, nachdem sie schon stark dezimiert gewesen waren.
Sie treiben in dem indigo-marineblauen Wasser und lassen sich die Sonne auf den Rücken scheinen; mehr ist energietechnisch gesehen nicht ‚drin. Denn während ihres Winteraufenthaltes sind sie auf Diät, es gibt buchstäblich nichts zu fressen. Die Gewässer der Vulkangebiete sind sehr nährstoffarm und bilden deshalb praktisch kein Plankton aus – das Wasser ist einfach zu sauber.
    

Wie viele Vegetationszonen noch ‚mal?
Nach dem Besuch bei den Walen fahren wir in einem Rutsch die 65km hinauf zum höchsten Punkt der Insel (3055m), zum Gipfel des größten ruhenden Vulkans der Erde, des Haleakala. Wir wollen den „award winning“ Sonnenuntergang sehen und danach der Milchstraße ganz nahe sein.
Gestartet sind wir in Zuckerrohr-Plantagen, einigen der wenigen, die noch übrig geblieben sind, nach der großen Schrumpfung dieses einstmals so wichtigen Wirtschaftszweiges, um Platz zu machen für Hotels, Golfplätze, Pools, etc. Auf Kaui dienen die stillgelegten Flächen heute dem Anbau von gen-manipulierten Pflanzen. Die Inseln sind das perfekte Outdoor-Labor, in dem das Risiko einer zufälligen Verteilung minimiert bleibt.
Dann geht es wieder einmal durch üppigsten Regenwald, den zu beschreiben das deutsche Vokabular nicht ausreicht. Plötzlich aber wähnen wir uns heimatlichen Gefilden: das kommt uns irgendwie bekannt vor: Weiden mit braunen Kühen (oder Rindern?), Wiesenblumen, Nadelbäume. Auch die holzverkleideten Häuser passen perfekt ins Bild, da stört es auch nicht, dass sie einen etwas anderen Stil pflegen.
Danach folgt eine Lavendelfarm, dann Nebelwald mit Mammutbäumen und Zypressen – bis die Bergstraße Kurve für Kurve über die Baumgrenze kommt und langsam in eine quasi Mondlandschaft übergeht.
Hier hat man das Wolkenband passiert und strebt der unendlichen Tiefe des blauen Himmels entgegen. Man ist im „Haus der Sonne“ (Haleakala) angekommen.
Die Aussicht ist grandios: auf einen der größten Krater der Erde (hier hätte ganz Manhattan Platz), der so sehr der Mondoberfläche ähnelt, dass er den Astronauten der Mondmission als Trainingsplatz diente. Auf die „Rückseite“ der weißen Wolken ringsum, auf die Spitzen der beiden Riesen von Big Island (Mauna Kea und Mauna Loa) in 160km Entfernung, und auf den kleineren Nachbarvulkan von Nebenan.
Der Sonnenuntergang ist spektakulär: die Sonne (ver-)sinkt in einem Tempo, dass man mit den Kameraeinstellungen kaum nachkommt. In gleichem Rhythmus fällt die Temperatur (bis hin zum Gefrierpunkt). Harrt man dann noch eine Weile aus, bis die Stadt nur noch diffus von unten gegen die Wolkendecke anleuchtet, bleibt man quasi alleine zurück, allein mit den Observatorien, in einem Sternenhimmel … der Milchstraße zum Greifen nah.

        


 

no images were found

Hinaus nach Mabul Island

Und so sind wir an Chinesisch Neujahr mit einer voll bepackten Airline nach Borneo geflogen, haben uns ein paar Tage in einem wunderschönen Resort mit angeschlossener Orangutan-Aufzucht-Station 2OrangUtan und ein paar wunderbaren Blicken auf den höchsten Berg Südostasiens, den Mount Kotakinabalu 3MtKota (hier noch nicht ganz) und die geschlossene Urwalddecke 4MtKotakinabalu (4.095m) die Sonne auf den Bauch scheinen lassen (die Angestellten meinten allerdings, es wäre ungewöhnlich kalt und in Indonesien hätte es sogar geschneit!?), bevor es dann weiter ging auf die Insel.

Angekommen in dem kleinen Flughafen von Tawau geht es direkt weiter nach Semporna. Eine Stunde Fahrt über eine ordentliche Straße neueren Datums, vorbei an Palmenplantagen, und immer wieder Palmenplantagen, zuerst junge Palmen, dann hochstämmige Palmen, jeweils mit System gepflanzt, dazwischen auch abgeholzter Urwald, Brachland Brachland noch ohne Palmen. Keine Dörfer, manchmal einzelne Holzhäuser auf Pfählen. Vorbei der üppige Tropenwald, den wir noch in Kotakinabalu und vom Flugzeug aus bewundern durften und der sich bereits weit vor dem Landeanflug verabschiedet hatte.

Semporna mutet deutlich philippinisch an, ist einfach und vielleicht etwas schäbig, dafür aber mit einem großen Angebot an frischen Meeresfrüchten, Hummer die sich noch im Bassin tummeln und je nach Vorlieben zubereitet werden Garnelen. Serviert wird, wie so oft, an Plastik-Tischen und -Stühlen. Eine kleine Episode am Rande: einige zerlumpte Gestalten kommen zielstrebig auf uns zu, treten an den Tisch heran und fordern unsere Getränke ein.
Semporna Village ist überwiegend aufs Wasser hinaus gebaut SempornaII und man fragt sich, warum eigentlich? Land ist genügend vorhanden und das Abholzen des Urwaldes ist ja offensichtlich auch kein Problem. Hat es mit den Besitzverhältnissen zu tun („Wasserland“ gehört niemanden?) oder vielleicht mit den tierischen Bewohnern des Waldes? Oder ist es einfach nur, weil die meisten hier vom Fischfang leben.

Dann der Boots-Terminal, gigantisch hoch, überdimensioniert, in chinesischer Neubauweise (überhaupt sind viele chinesische Zeichen zu sehen), für uns irgendwie vertraut. Hier wurde nicht gekleckert. Das Speed-Boot dagegen schmal, lang und überschaubar (15 Pers.), aber mit beeindruckenden 2x250PS/4-Zylinder Außenbord-Motoren. Warum eine derart hochgerüstete Motorisierung für ein relativ kleines Boot? Ist das Spielerei, Imponiergehabe …? Viel später erzählt man uns, dass die meisten Boote so und noch viel umfangreicher ausgestattet seien, damit sie im Notfall, wenn es brenzlig würde, den Piraten/Terroristen davon fahren könnten.
Und tatsächlich erklärt man uns im Resort, dass die philippinische Grenze in Sichtweite ist, dass es immer wieder Scharmützel gibt wegen ungeklärter Inseln und ihrer Besitzer, dass deswegen das malayische Militär mit Patrouille-Schiffen ständig Präsenz zeigt.

Mit Highspeed geht es glatt und windschnittig links und rechts vorbei an Holzdörfern auf Holzpfählen Holzdorf. Dann hart mit Schlägen auf die offene See hinaus, betupft mit Inseln und Inselchen, und dazwischen wie ein Scherenschnitt im Gegenlicht – wie kann es sein: Häuser und sogar Menschen buchstäblich auf dem Wasser!? Es bleiben eigentlich nur die viel beschriebenen Riffe, die wohl knapp unter der Wasseroberfläche die einzelnen Eilande wie eine Perlenschnur miteinander verbinden (das Gebiet ist im übrigen berühmt für seine Perlen).

So ist die Einfahrt in Mabul Island auch absolute Präzisionsarbeit. Langsam tastet sich das Boot bis zum Anleger vor. Und dann – welch ein Entree: wie eine gute Stube die Insellobby: weicher Sandteppich, zart vibrierende Palmwedel-Decke Palmwedeldecke, gedimmtes Licht, dösige Wärme, gedämpftes Rauschen, aufgeräumt und sauber, der Empfang ganz aus Holz als offene Veranda, der Boden auf Hochglanz poliert. Die Fahrt mit dem Caddy nahezu geräuschlos über makellosen Sand, hindurch durch einen fast gotisch anmutenden Palmentunnel Palmentunnel.
Nach nur etwa 5-10 Minuten ist der Tunnel plötzlich zu Ende und damit auch die Insel und wir fahren hinaus in das gleißende Sonnenlicht auf einen Steg, der übers Meer führt, hinüber zum Resort-Dorf, das wie eine Insel vor der Insel liegt. Unter uns nur noch Wasser, intensivstes Türkusblau wie ein Swimming-Pool kitschiger nicht sein könnte Wasserfarbe. Da wo die Sandbank mit einer Linie ins Dunkel-Blau-Grüne abkippt, erheben sich die Hütten-Häuser, mehrere kleinere, ein paar größere Villenartige und schließlich das Haupthaus mit seiner verwegenen Zick-Zack-Konstruktion als Dach und der Versorgungsstation für die Tauchgänge Haupthaus.

Ab jetzt bleiben wir fern von Land und Insel und tatsächlich ist gerade nachts immer ein unterschwelliges Schwanken zu vernehmen, obwohl der Seegang über der Sandbank mehr nur ein oberflächiges Kräuseln ist und die Verstrebungen der Anlage einen recht stabilen Eindruck machen Konstruktion. Eine weitere Eigenheit, die der Nachtruhe nicht unbedingt förderlich ist, sind die „Haus-Wasserschlangen“, die sich bei Einbruch der Dunkelheit die Pfähle hinauf schaffen, um sich in einer ruhigen, vibrationsarmen Ecke zur Tagesendentspannung einzurollen (in unserem Fall mit 6 Nachwuchs-Kringel). (Daher der Hinweis, bei nächtlicher Wanderung auf den Stegen eine Taschenlampe zu benutzen.) – Aber auch daran gewöhnt man sich.

no images were found

Und nun zum eigentlichen Thema: um es vorweg zu nehmen, in die Tiefen der Celebes-See habe ich es dann doch nicht geschafft. Im Pool war noch alles in Ordnung gewesen, trotz des mehr als hautengen Ganz-Körper-Anzuges, der „wasser-schmatzenden“ Halbstiefel, des gefühlte-10Zentner-schweren Rückenaufbaus, der angemuffelten und anlaufschutz-impregnierten Brille und der absolut abroll-resistenten Flossen. Alles natürlich möglichst luftdicht, dafür ausgelegt, das knappe Gut Luft am Körper zu halten. Zwar schien meine Vorbereitung nicht optimal gewesen zu sein, denn die „ein-zwei-drei-vier-fünf“-tiefen, rhythmischen Atemübungen durch die Nase waren allenfalls dazu angetan, die ganzheitliche Balance der all-wöchentlichen Yoga-Asanas zu erhöhen. Im Wasser erwiesen sie sich jedoch als höchst kontraproduktiv. Einmal verinnerlicht, schien man für dieses Element ein für alle Male verloren. Entsprechend kam schon beim bloßen Eintauchen des Gesichts (mit Atemmaske wohlgemerkt!) gelinde Panik auf, die man aber mit einer kopfgesteuerten Beruhigungstaktik ganz gut in den Griff bekommen konnte, und damit nach der zweiten Runde am Grunde des Pools das bei Tauchern übliche Freizeichen für „ja, alles im grünen Bereich“ geben konnte. Der nächste Schritt aber, über die vorher erwähnte Linie, in den dunkel-blau-grünen Abgrund mit der drei-dimensional bewegten Oberfläche war doch etwas ganz Anderes …

Dafür dann aber das Schnorcheln: mit der Schwimmweste um den Leib fühlt man sich leicht, fast schwebend (die Leichtigkeit des Auftriebs) – über einer langsam wechselnden Bühnenkulisse mit einem Auftritt, den man nur für irreal halten kann: alle Formen und Farben dieser Welt kombinieren sich ins Unendliche – welch ein Überfluss, es fehlen die Worte …

Vor Sipadam …

no images were found